Happy Weltfrauentag – über Nackte Brüste & Selbstakzeptanz

Heute ist Weltfrauentag und ich möchte euch zum Nachdenken und Handeln einladen – für euch, für eure Mama, eure Schwester, euren Papa, euren Bruder, eure Freunde, Nachbarn, Arbeitskollegen – für die Welt und alle Wesen, die sie bewohnen.

Wie werden wir eigentlich von Kind auf erzogen? Was begegnet uns als Teenager?

Ich erinnere mich immer noch ganz klar daran wie ich damals eine Schulkollegin nach einem Tampon gefragt habe und sie ganz beschämt “psssssst” durch ihre Lippen gepresst hat. “WTF?” – ist mir damals durch den Kopf gegangen. Als wir alle so mit 12 Jahren unsere Menstruation bekommen haben, wurde das in der grossen Pause total aufgeregt erzählt. Oder wie ich meiner Oma immer gezeigt habe, dass meine Brüste wieder etwas gewachsen sind – oder Schamhaare. Und ich so stolz war.

Doch irgendwann im Teeniealter scheint sich etwas drastisch verändert zu haben – und seitdem frage ich immer ganz laut nach einem Tampon oder sage, dass ich meine Periode habe. Wie kann denn sowas ein Tabu sein? Das vermittelt doch uns Frauen und Mädchen, dass es etwas schlechtes ist, etwas unreines – FUCK DABEI ist es sowas von weiblich, steht für Fruchtbarkeit und DETOX. Yes! Es ist die Zeit, wo wir uns mehr Ruhe gönnen dürfen, wo wir wieder in unsere Mitte gehen dürfen – ganz leise und nur für uns.

Jetzt kommt mir auch ganz klar die Erinnerung, das meine Mama, Oma und ihre Freundinnen immer auf irgendeine Diät waren – nur um sich am nächsten Familienfest wieder zu überfressen und dann sich selbst voller Schuldgefühle nicht so tolle Sachen zu sagen und Vorsätze vorzunehmen – wieder nur Druck, null Selbstliebe.

Oder, dass mein Opa eigentlich nie was im Haushalt gemacht hat? Und ich empfinde meine Grosseltern als ziemlich moderne serbische Grosseltern. Oder hatten sie eventuell gar keine Wahl mit einer Enkeltochter wie mir? Wie mir das auf dem Geist geganen ist, dass ich den Erwachsenen nicht sagen durfte, dass sie lügen. Das macht man so nicht. Sei doch nett. Wirf nicht wieder ein Glas um. Hä? Really? Und dann habe ich mit 12 zum ersten Mal meinen Mittelfinger zum Einsatz gebracht – bei meinem Onkel. Ich war so wütend. Und die wollten, dass ich mich entschuldige – denkste.

Auch heute noch rege ich mich auf, wenn mein Grossvater Witze darüber macht, dass ich doch jemanden aus Serbien heiraten solle. Eine Zeit lang wollte ich verbissen nur Karriere machen und gar niemanden heiraten. Weil mich diese blöden Erwartungen so genervt haben. Als ich die Schweiz verlassen habe, war meine Omas grösste Sorge, was ich denn machen werde, wenn ich Kinder habe oder jemanden kennenlerne. Was wird mir denn mit so einer Aussage vermittelt?

1. Dass ich heiraten muss.
2. Dass ich so nie einen Mann finde.
3. Dass eine anständige Frau sowas nicht macht.
4. Dass ich bis spätestens dann und dann Kinder kriegen muss.
Und 5. Nur einen bestimmten Lifestyle haben kann.

Oder das ich Religion ganz scheisse finde. Da wurde gleich eine Runde mehr für mich gebetet (:D). Und einmal mehr: “Psssssst!! Sag sowas nicht!!!!”. Ich glaube in Liebe und das wir nur so etwas bewirken können. Und doch… manchmal fällt es mir schwer liebevoll mit meiner Familie und meinen Verwandten umzugehen. Auch jetzt nach 5 Monaten alleine. Da sehe ich gewisse Muster noch mehr. Puhh. Aber Adam erinnert mich an Liebe. Und meine Soulsister an Heilung. Es ist gar nicht böse gemeint, wie sollten sie es denn besser wissen? Ich weiss aber ganz klar, dass ich das bei meinen Kindern anders machen werde. Und dass ich verdammt nochmal laut brüllen werde, wenn ich solchen Mist höre. Und weisst du was? Du darfst auch!

Dieses verdammte Schweigen und hübsch aussehen…

Ich erinnere mich noch an meine Lehrzeit. Und wie das Gerücht herumging ich sei eine “Schlampe” – mit 17. Im eigenen Betrieb. Weil irgendwelche Mädchen neidisch waren. Weil ich gerne Röcke anzog. Immer dieses Überlegen wie man sich kleiden soll. Es soll ja nicht zu aufrzeiend sein. Weil es verdammt nochmal immer noch in gewissen Köpfen drin ist: Frauen, die sich weiblich anziehen, die sexy sind oder was auch immer: Sie wollen ja Sex. Sie wollen ja angefasst werden. Erinnere mich auch noch an die Jungs aus der Schulzeit, die mich dann Jahre später im Ausgang getroffen haben und ganz frech meinten “Wow, du hast dich mega entwickelt, bist richtig hübsch geworden!” – fuck what?

Oder wie ein (Yoga-)Date dachte, ich muss ja was mit Kosmetik oder Kleidern verkaufen machen, weil meine Familie aus Serbien stammt. Und ich das Gymi nicht gemacht habe. Und hübsch bin. Ich war entrüstet. Dann meinte er auch noch ich solle vor ihm stehen im Yoga, weil er die Posen nicht kennt. HEHE. ZWINKER. Da wird mir schlecht.

Oder wie mich meine damalige Ausbildnerin ein halbes Jahr subtil terrorisiert hat. Weil ich jünger war. Und mich alle mochten. Ich verstand die Welt nicht mehr. Fuck! Wir dürfen hübsch sein. Aber wir müssen nicht???! Immer diese Märchen – von Cinderella bis Schneewittchen, wo die armen Mädchen von den mutigen Männern gerettet werden müssen. Oder wie ich als Community Managerin Meetings hatte mit älteren Männern und diese mich belächelt haben. Weil ich jung war. Und eine Frau. Und ganz speziell angezogen. Inkusive Bindi. Sowas nervt. Und trotzdem hatte ich keinen Bock mit anzupassen, damit ich ernst genommen werde! Ich meine…gahts no?? Sagt ja absolut rein gar nichts über meine Arbeit oder mein Können aus. Ja, diese Kleiderreglen im Büro sind mir verdammt auf dem Wecker gegangen. Oder die ewige Tattoo-Diskussion. Nä-ä. Nicht mehr mit mir. Und das Schlimme ist ja, nicht nur viele Männer haben diese Einstellung, nein einige Frauen zerfleischen sich gegenseitig…

Als Teenies haben wir so viel gelästert. Über Frauen. Und über die bösen Männer. Aber kein Stück anders sein. Kein einziges Mal bei sich schauen. Und damit meine ich nicht, dass man sich für irgendwas Schuld zuweist. Sondern sich und sein Verhalten reflektiert. Damit man mehr Selbstliebe und Selbstakezptanz für sich entwickeln kann.

Wieso müssen Frauen eigentlich so oft gegeneinander sein? Wieso darf denn die andere Frau nicht auch ein tolles Kleid tragen? Was weisst denn du, wie es ihr geht? Was sie für Sorgen hat? Können wir uns bitte mehr ermutigen und beim Wachsen unterstützen?!

Mehr Liebe, Akzeptanz und Positivät braucht diese Welt. Dringend.
Und das startet mit dir.
Heute.

Steh für dich auf und sprich. Hör auf zu schweigen – bitte, bitte, bitte! Du darfst sprechen. Du darfst verdammt nochmals NEIN sagen oder JA schreien. Und ladet die Männer ein. Feminismus ist sowas von nicht nur was für Frauen oder hat was mit Männerhassen zu tun – nochmals FUCK NEIN: Gleichberechtigung. Weil Frauen überall auf der Welt immer noch unfair behandelt werden. Und ihr Männer übrigens auch. Man erzieht euch dazu, dass ihr stark sein müsst, dass Aggressivität und lauter brüllen euch Macht gibt – fuck NEIN, ihr dürft verwundbar sein. Und wir Frauen auch. Wir dürfen aber auch stark sein. Alles zusammen. Jeder. Informiere und inspiriere dich hier!

Hört auf mit diesen Gender-Stereotypen. Wir Mädchen und Frauen werden dazu erzogen, dass wir perfekt sein müssen. Hast du gewusst, dass Männer sich für eine Stelle bewerben, auch wenn sie nur 60% der Anforderungen erfüllen? Frauen aber 100% anstreben, jedoch nie das Selbstvertrauen haben, dass sie diese erreicht haben. Klar – nicht alle. Aber so viele. Es ist in unseren Köpfen. Wir verdienen auf der ganzen Welt und ja auch in der Schweiz, Deutschland und Österreich immer noch viel weniger! Es werden immer noch Mädchen abgetrieben, weil sie eben ganz einfach keine Jungs sind.

Balance zwischen maskuliner und femininer Energie – wir brauchen beides, egal was für Geschlechtsteile wir haben. Oder wenn wir lieben. Oder welche Hautfarbe wir haben oder wo unsere Wurzeln liegen. In der Lehrzeit gabs Programme, wo man sich ohne Namen bewerben konnte. Weil Jugendliche mit ausländischen Namen Nachteile hatten. Hä? Das ging bei mir nicht auf – wegen dem verdammten “ic” sollte ich keine Lehre machen können? Oder dass ich in der Schule einige Zeit gemobbt wurde, weil ich so dünn war. Und man mir “Frau Lehmann” sagte – Herr Lehmann war unser Schulskelett. Und mit den dickeren Kindern war das nicht anders. Zum Trotz ist meine Kreativität ausgebrochen und ich habe die verrücktesten Kleidern angezogen. Um ein Zeichen zu setzten, dass es mir scheiss egal ist (wars nicht, aber war meine Art der Rebellion).

“Body-Shaming – wieso muss ich eigentlich meine Brüste verstecken?”

Und dann das Body-Shaming…. Am Envision Festival bin ich oben ohne herumgelaufen. Zuerst habe ich so gekichert und ich hab gefühlt, dass ich mich etwas geschämt habe, doch auf der anderen Seite, der Drang, auszubrechen, ja der war so viel stärker. Wieso dürfen wir eigentlich unsere Brüste nicht zeigen? Wieso schämen wir uns mit Härrchen auf den Beinen, unter den Armen und unserer Vagina herumzulaufen? Shiiiiiiiit. Geht nicht darum, dass dies jeder machen muss. Aber frag dich mal… Wieso.

Wieso trägst du Make-up?
Wieso kaufst du dieses Shampoo?
Wieso müssen deine Haare fürs nächste Date weg sein?
Wieso genau durfstest du deinem Chef letztes Mal nicht sagen, dass er eine perverse Sau ist?
Wieso machst du diese Diät?
Und was denkst du, wieso gibts Werbung? Denen sind wir scheissegal…die sehen nur ihre Kneten. Und das ist so.

Wir sassen im Auto und mir war schlecht. Ich sass also dort in Jeanshorts und mir war so heiss. Ich zog mein Shirt aus und meine Mama und Adam mussten ein Tuch halten. Ich schämte mich, dass mein Papa meine Brüste sehen könnte. Aber wieso?

Eigentlich sinds ja nur Brüste. Aber unsere übersexualisierte Gesellschaft labelt das ja…mit eben Sex.

Und dann sass ich dort im Auto oben ohne.

Weil wieso nicht???

FUCK DU DARFST!

Die Gesellschaft – dieses FUCKING SYSTEM – steckt uns alle in einen Käfig. In ein Gefängnis. Labelt uns. Und ich habe keinen Bock mehr drauf.

Wir fühlen, es ist nicht richtig, tut nicht gut.

Ich wünsche mir, dass wir ganz bewusst in unserem Alltag beobachten, wo wir uns zurückhalten. Und uns hinterfragen weshalb. Obs ist, weil wir es so fühlen, oder weil wir ganz genau wissen, was die anderen denken werden. Oder wir besser tun oder nicht tun sollten. Und vergiss nicht: Wer Mut hat und aufsteht, der zieht andere mit sich. Du kannst heute positive Samen in die Menschen pflanzen. Solche, wo nicht erwartet wird, dass eine Frau mit 30 geheiratet haben muss. Oder mit 23 Kinder kriegen ein Skandal ist – yes, das habe ich hier in der Schweiz schon einige Male gespürt.

Und zum Schluss:

Culture doesn’t make people. People make culture.
(Chimamanda Ngozi Adichie)

 

Wir alle sind betroffen. Es ist nicht die da draussen oder die Regierung… Nein, wir – ich du, sie, er müssen aufstehen und aufhören zu schweigen aus Angst und Scham, dass wir die einzigen sind. Weil wir sinds nicht! Und ich freue mich, euch alle im Sommer zusammen zu bringen – Yoga machen, lachen, vegane Leckereien essen, weinen, umarmen, teilen und verbinden – von Herz zu Herz.

[ssba]

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