1 Jahr vegan und was jetzt?

Wow, heute ist internationaler Welt-Vegan-Tag – letztes Jahr habe ich über meine veganen Ambitionen geschrieben und jetzt ist es schon über ein Jahr her seitdem ich vegan lebe. Diesen Monat starte ich eine dreiteilige Nachhaltigkeitsserie mit dem sozialen und veganen Business und Stiftung larada.org*, was mich besonders freut.

Doch was heisst vegan leben eigentlich?

Ich habe Vieles gelernt – vor allem, dass es da sehr viele Unterschichten gibt und nur weil etwas als vegan bezeichnet wird, ists nicht automatisch super oder stimmt mit der veganen Philosophie überein. In diesem Blogpost halte ich meine persönlichen Learnings und Antworten auf ein nachhaltigeres und veganeres Leben fest.

Du darfst dich gerne inspirieren lassen. Ich will dich hier nicht belehren, dir auch nichts aufdrängen, denn genau das führt mich schon zum wichtigsten Learning, das ich auf meiner ganz persönlichen veganen Reise gemacht habe:

Vergiss Perfektionismus. Bleibe neugierig und experimentiere. Ich hatte anfangs grosse Mühe mit Veganismus, weil ich dachte ich müsse perfekt sein und das mich dann entweder die Veganer verurteilen oder die halt Nicht-Veganer. Was natürlich auch mit etwas tieferem zusammenhing: Meiner Angst nicht allen zu gefallen. Und ja allen irgendwie recht machen. Dann startete ich halt daran zu arbeiten und vor allem mich selbst nicht zu verurteilen.

Einen Monat bevor ich komplett** auf vegan umgestellt habe, habe ich zum Beispiel noch ein letztes Mal Fisch gegessen – ich wusste es ist nicht gut, aber ich fühlte es noch nicht. Deshalb finde ich es so wichtig, sich Zeit zu lassen und kleine Schrittchen zu machen und vor allem sich und andere nicht zu verurteilen. Menschen Zeit lassen. Sachlich bleiben. Und vor allem: Einfach vorleben und das bestmögliche Beispiel sein. Dann sind sie nämlich auch viel offener und inspirierter. Meine serbische Familie isst heutzutage über 60-70% vegan und schickt mir dauernd Bilder von den veganen Mahlzeiten – das macht mich sehr stolz. Jeder geht seinen Weg und jeder braucht unterschiedlich lange Zeit. Wichtig ist einander zu respektieren und wenn jemand neugierig ist, weitererzählen. Gleichzeitig führe ich auch keine Diskussionen mit Menschen, die sowieso nicht offen sind und mit den 0815-Argumenten kommen – nein, danke, dafür ist mir meine Zeit zu viel wert.

Meine persönliche Definition von Veganismus und diesem Lebensstil ist, dass ich niemandem schade. Weder mir, der Umwelt, anderen Menschen, noch den Tieren.

Das heisst, das Veganismus bei mir nicht bei der Ernährung aufhört – ich meine für mich ist es nicht logisch vegan zu essen und dann Lederschuhe einzukaufen, noch schnell bei H&M ein unfair-produziertes Tishi für 10 Franken zu holen, (“vegane”) Ware einzukaufen, die den Regenwald zerstört, nicht lieb sein zu mir und anderen Menschen. Du siehst also, “vegan” geht in die Tiefe. Es ist nicht nur “Oh nein, jetzt darf ich keinen Käse mehr essen, das schaffe ich NIE!”. Es ist eine Entscheidung dein Leben und das von anderen werzuschätzen und nicht wegzuschauen. Gut, dann fällt es dir halt schwer 100% auf Käse zu verzichten, du kannst aber zum Beispiel aufhören Fast Fashion zu unterstützen oder mehr Positivität in den Alltag einbauen und offener anderen Menschen gegenüber werden.

Ich bin keine perfekte Veganerin, ich glaube niemand ist zu 100% vegan (kommt halt auf die Definition darauf) und für mich besteht der Sinn darin nicht der 100% Wegen diese Lebensweise anzustreben, sondern eher irgendwo starten und dann immer weiter informieren, Neues lernen, neugierig bleiben, für mich fühlen und abwägen.

Die Frage ist: Kann und will ich das mit gutem Gewissen unterstützen? Da gibts Bereiche des Veganismus, wo die Antwort ein sehr klares nein ist. Aber dann gibts andere Orte wie Alkohol oder das ich letztens meinen Ingwertee mit Honig süsste, weil Agavendicksaft und Co. ehrlich gesagt auch nicht gerade super gesund sind. Soll ich mich jetzt deshalb verrückt machen? Nein, weiterinformieren, wenn es vegan-ausgezeichneten Wein gibt, dann den nehmen. Sonst bio, am besten noch lokal und unverarbeitet, wie es das sehr oft hier in Tschechien gibt. Aber dann gibts Orte, wo ich mich manchmal einfach freue ein Glas Rotwein zu trinken – z.B. in Asien! Schlechtes Gewissen macht mich nicht zu einem besseren Menschen, offen hinterfragen und dann handeln jedoch schon.

Ich stelle mir täglich viele Fragen – ist es besser etwas bio in Plastik eingeschweisst oder konventionell ohne Verpackung zu kaufen? Ist es besser etwas veganes Verarbeitetes mit Palmöl zu essen oder ist es in Ordnung das mein Freund Eier seiner freilaufenden Familienhühner isst? Ich komme meistens zum Entschluss nach Option C zu suchen. Etwas, was lokal wächst, gesund, vegan und unverarbeitet ist. So schwer ist das nicht – meistens sogar sehr simpel. Zum Beispiel ein Apfel.

Back to the roots – wieso ich keine Avocados & Co. einkaufe

Für mich macht es absolut gar keinen Sinn importierte Avocados oder sonstige exotische Früchte zu kaufen. Jap, auch keine Bananen. Ich bin noch nicht so weit, dass ich sie ablehne, wenn sie vor mir stehen, aber ich kaufe keine mehr und nächstes Jahr möchte ich das noch besser machen – aber wie ich so gerne sage: Lieber kleine Schritte vorwärts, als gar keine. Einmal in der Woche gehe ich zum lokalen Markt (bepackt mit 9238932 Jutebeuteln hihi) und liebe es – all die bunten Farben und das wunderschöne saisonale Gemüse – vor allem jetzt im Herbst ist es ein absoluter Traum.

Aber wieso kaufe ich denn keine Avocados? Ist doch gesund und vegan?

Naja, theoretisch schon. Praktisch aber leider nicht. All diese gehypten Superfoods in den westlichen Ländern führen dazu, dass die Nachfrage dieser Produkte steigt und was passiert dann? Die Länder, die das anbauen, riechen das Geld und schwuppidups werden Wälder gerodert – was dazu führt, das Tiere, Pflanzen und sogar Menschen davon bedroht werden auszurotten. Nicht so vegan, oder? Finde diesen Artikel gut dazu.

Neben diesen Superfoods finde ich auch Palmöl sehr problematisch. Es ist ja super, wenn vegane Süssigkeiten in den konventionellen Supermärkten boomen, aber man darf halt erstens nicht vergessen, das diese Produkte sehr verarbeitet und in Plastik verpackt sind und eben zum Beispiel Palmöl enthalten. Der Otto-Normal-Verbraucher denkt sich wahrscheinlich nicht viel dabei, der Veganer findets super und wir finden halt: Okay, wäre lecker, aber das kaufen wir nicht.

Somit komme ich zum Punkt: Nicht alles, was vegan scheint, ist vegan:

Palmöl ist erst einmal schlecht für deine Gesundheit und zweitens wird es überall eingesetzt, weils billig ist. Das heisst Regierungen von Entwicklungsländern verschärbeln Tropenwälder, welche dann gerodert werden um Ölpalmen zu pflanzen. Das widerum führt dazu, das Orang-Utans und andere Lebewesen vom Aussterben bedroht sind, die Natur dabei kapputt geht und halt auch die Menschen, die dort Leben vertrieben werden.

Viele Produkte enhalten ja nachhaltiges bio Palmöl, aber das ist leider nur ein schönes Märchen – in der Realität siehts ganz anders aus. Auf regenwald.org gibts dazu echt gute Infos und ich kann es dir nur empfehlen mal dort vorbeizuschauen. Deshalb kaufen wir nichts mit Palmöl, manchmal übersehen wir es, aber ich kann es wirklich nur jedem empfehlen das Kleingedruckte zu lesen und halt wirklich Palmöl, industriellen Zucker und E-Stoffe einfach zu meiden. Mir tuts fast schon körperlich weh, wenn Nutella gehypt wird. Hilfe! Das kann ich ganz und gar nicht verstehen! :D Hier ein gesundes, veganes Rezept.

Wieso es wichtig ist vom (veganen) Tellerrand zu blicken

Über den Tellerrand blicken heisst Verantwortung übernehmen und das heisst widerum das was man gehört und gelernt hat, zu hinterfragen. Auch wenns die Oma schon 50 Jahre lang macht, obwohl es der Staat als unbedenklich hält und vor allem egal was welcher Experte fachsimpelt.

Du kannst nur für die Dinge Verantwortung übernehmen, wenn du brutal ehrlich zu dir bist.

Kommen wir zu den Phänomenen H&M oder Fast Fashion und “das ist natürlich und ausgewogen”.

Wenn du jetzt direkt jemanden fragen würdest, ob er oder sie für ein T-Shirt morden oder ein Baby gleich nach der Geburt von der Mama trennen würde, wäre diese Person total entrüstet und würde sagen natürlich nicht.

Aber manchmal befinden wir uns so in unseren Gewohnheiten und unserer Gesellschaftsblase, das wir vergessen oder gar keinen Bock haben etwas weiter zu gehen, tiefer zu graben, klarer zu sehen.

Wie viele gestehen sich denn ein, dass sie eben doch für ihre neusten Trends indirekt morden und unfaire Arbeitsbedingungen damit fördern? Oder das Kuhmilch für Kuhbabys ist und nicht für Menschen, weil andere Lebewesen trinken eigentlich auch nur ihre eigene Muttermilch. Oder schon einmal gesehen wie eine Ziege in den Supermarkt geht um sich frische Menschenmilch zu kaufen? Eben. :)

Deshalb halte ich auch so eine Haltung viel extremer als sich zu entscheiden weniger Leid auf unserer Welt zu produzieren. Tönt logisch, nicht?!

 

Ich will nicht, dass du dich schlecht fühlst, halt einfach nur dir praktisch aufzeigen, dass nicht alles einfach normal, natürlich oder “halt einfach so” ist und das wir echt auch an andere denken dürfen. Das Paradoxe ist ja, dass wir so Vieles haben und auch das Gefühl haben vielen überlegt zu sein – doch trotzdem so oft Mangelgedanken hegen und Angst haben, dass es einem weggenommen wird (siehe Flüchtlingsthema).

Für alle die mehr über Veganismus und Nachhaltigkeit erfahren möchten, dies sind meine absoluten Lieblingsresoursen und ich kann sie nur weiterempfehlen:

Falls du Fragen oder Anmerkungen hast, dann kannst du mir jederzeit eine E-Mail schreiben an hello@magicallifeofaleks.com – freue mich!

Für mich persönlich ist dieser Lebensstil sehr, sehr stimmig – ich kann es mir einfach nicht anders vorstellen, weil das hiesse dann, dass ich mich selbst belügen müsste – informiere dich und fühle, was für dich stimmig ist. Egal was andere denken oder tun! Ich glaube ganz fest daran, dass wir unsere Welt positiv verändern können. :)

*Larada.org ist ein soziales Unternehmen und Stiftung, was mit dem Profit des Ladens Arbeitsplätze für Menschen mit Suchtvergangenheit schafft. Erfahre mehr darüber hier und im nächsten Blogpost gibts ein wunderschönes Interview mit Daniel König, welcher schon seit 16 Jahren dort arbeitet.

**ein Prozess, wo ich täglich mehr lerne und sehr dankbar bin dafür!

[ssba]

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